Cannabis bei Multipler Sklerose und Spastik


Gehstock an einem Stuhl am Fenster, daneben ein kleines Glas – Symbol für Multiple Sklerose
Bei MS-bedingter Spastik ist die Datenlage vergleichsweise gut.
Kurz erklärt

Bei Multipler Sklerose (MS) ist eines der am besten untersuchten Anwendungsgebiete die Spastik – also schmerzhafte Muskelverkrampfungen. Für diese gibt es sogar ein zugelassenes Cannabis-Arzneimittel (ein Mundspray aus THC und CBD). Es kommt infrage, wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken. Die Entscheidung trifft immer die ärztliche Praxis.

Warum Cannabis bei MS eine Rolle spielt

MS kann zu Spastik führen: Die Muskeln verkrampfen, das ist schmerzhaft und schränkt die Beweglichkeit ein. Hier gibt es im Vergleich zu vielen anderen Anwendungen belastbarere Daten. Ein Cannabis-basiertes Spray ist bei mittelschwerer bis schwerer MS-Spastik zugelassen, wenn übliche Medikamente nicht genügen.[2]

Wie eine Verordnung abläuft, steht im Artikel zu medizinischem Cannabis.

Cannabis und MS auf einen Blick

Punkt Stand
Anwendungsgebiet vor allem Spastik
Studienlage vergleichsweise gut
Zugelassenes Mittel ja, ein THC/CBD-Spray
Einsatz wenn andere Mittel nicht reichen
Heilung nein – nur Linderung von Symptomen

Was belegt ist – und was nicht

Die Grafik ordnet die Lage ein.

Studienlage bei MS-Spastik

Spastik: gute Hinweise, zugelassenes MittelHeilung der MS: nein

Abbildung 1: Cannabis kann Symptome lindern, heilt die MS aber nicht.

Wichtig ist diese Unterscheidung: Es geht um die Linderung von Symptomen, nicht um eine Heilung. Die MS selbst wird mit anderen Therapien behandelt.

Was Betroffene wissen sollten

Ob ein Cannabis-Mittel infrage kommt, hängt vom Einzelfall ab – etwa davon, wie gut bisherige Medikamente wirken. Auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel spielen eine Rolle (mehr dazu im Artikel zu den Risiken). Die Behandlung gehört in ärztliche oder neurologische Hände.

Cannabis bei Multipler Sklerose: was belegt ist

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Störung des zentralen Nervensystems. Bei vielen Erkrankten führt sie zu schmerzhafter Spastik – also zu krampfartig verspannten Muskeln. Genau hier hat medizinisches Cannabis bei Multipler Sklerose seinen festen Platz: Der Mundspray Sativex mit den Cannabinoiden Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol ist als Wirkstoff ausdrücklich zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Spastik bei MS-Patienten zugelassen.

Die Wirkung läuft über das körpereigene Endocannabinoid-System – die zugeführten Cannabinoide ergänzen die körpereigenen Botenstoffe. In placebo-kontrollierten Studien (Stichwort symptomatic treatment) besserte sich die Spastik bei einem Teil der Patientinnen und Patienten. Die Kosten für Cannabis bei Multipler Sklerose übernimmt häufig die Krankenkasse, sofern der G-BA-Rahmen und die Voraussetzungen erfüllt sind. Zu beachten sind mögliche psychiatrische Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit. Für Menschen mit Multipler Sklerose gilt: Die Anwendung gehört in neurologische Hände.

Häufige Fragen zu Cannabis und MS

Ist Cannabis gut bei MS?

Bei MS-bedingter Spastik ja: Der zugelassene Spray Sativex kann die Muskelsteifigkeit lindern, wenn andere Mittel nicht ausreichen. Heilen kann er die MS nicht.

Welche Cannabissorte bei MS?

Entscheidend ist nicht die Sorte, sondern ein ärztlich verordnetes Präparat mit definiertem THC- und CBD-Gehalt wie Sativex.

Was triggert Multiple Sklerose?

MS ist eine Autoimmunerkrankung. Schübe können u. a. durch Infekte, Stress oder Hitze begünstigt werden – Cannabis gehört nicht dazu.

Welches Cannabis ist gut bei MS?

Am besten belegt ist das Fertigarzneimittel Sativex mit THC und CBD im Verhältnis 1:1, speziell für die Spastik zugelassen.

Hilft Cannabis bei MS?

Vor allem bei der Spastik gibt es gute Hinweise. Für diese ist ein Cannabis-Mittel zugelassen.[1]

Gibt es ein zugelassenes Cannabis-Medikament?

Ja, ein Mundspray aus THC und CBD für MS-bedingte Spastik.[1]

Heilt Cannabis die MS?

Nein. Es kann nur Symptome wie Spastik lindern.

Wann kommt es infrage?

Vor allem, wenn andere Mittel gegen die Spastik nicht ausreichend wirken.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Mundtrockenheit.

Wer entscheidet über die Behandlung?

Die behandelnde ärztliche oder neurologische Praxis.

Referenzen und Quellen

  1. Nicholas, J., Lublin, F., Klineova, S. et al. (2023): „Efficacy of nabiximols oromucosal spray on spasticity in people with multiple sclerosis.“ Multiple Sclerosis and Related Disorders, 75, 104745. PubMed · DOI a b
  2. Whiting, P. F., Wolff, R. F., Deshpande, S. et al. (2015): „Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis.“ JAMA, 313(24), 2456–2473. PubMed · DOI
  3. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2017): „The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids: The Current State of Evidence and Recommendations for Research.“ National Academies Press, Washington, DC. DOI


Redaktioneller Informationsbeitrag für Erwachsene (18+). Keine Konsumaufforderung, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Stand bei Veröffentlichung; Gesetze und Studienlage können sich ändern.

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